Termine

12. Juli 2024

Blockseminar im Quäkerhaus

In diesem Wintersemester fand ein weiteres Praxisseminar an der Universität Hannover statt, dass unser Projekt zur Aufarbeitung des Nationalsozialismus ergänzte. Im Vordergrund stand dieses Mal die direkte Nachkriegszeit. Das Seminar endete am 5. Juli mit einem mehrstündigen Blockseminar in Bad Pyrmont, bei dem die Studenten ihre Ergebnisse vortrugen.


Das Seminar fand an einem besonders passenden historischen Ort statt: Dem Quäkerhaus in Bad Pyrmont. Nachdem die Teilnehmer von einem der Mitbegründer der Pyrmonter Quäkerkolonie in Friedensthal, Ludwig Seebohm, persönlich begrüßt wurden (passenderweise fand an dem selben Wochenende der Pyrmonter Fürstentreff statt, bei dem historisch gekleidete Personen, die berühmten Pyrmonter Kurgäste und Persönlichkeiten wieder lebendig werden lassen), referierte einer der Teilnehmer, Tom Binner, über Otto Buchinger. Der Pionier auf dem Gebiet des Heilfastens eröffnete 1936 eine erste Fastenklinik in Bad Pyrmont. Neben dem Ehepaar Friedrich war er außerdem der engagierteste Quäker seiner Zeit.


Marie Holtin untersucht gerade für ihre Masterarbeit das Image Bad Pyrmonts während des Nationalsozialismus, das auffällig unpolitisch zu sein scheint. Bezeichnend ist jedoch, dass sich die Verantwortlichkeiten bei der Imagebildung zugunsten der Partei verschieben und dass Bürgermeister Hans Zuchhold eine immer zentralere Rolle einnimmt.

 

Robin Tammen hat die Entstehungsgeschichte des Denkmals für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs näher untersucht, dessen Grundsteinlegung und Einweihung propagandistisch inszeniert wurden.


Franz Neuhaus leistet gerade für das Projekt essentielle Grundlagenarbeit. Er transkribiert die lange verschollenen geglaubten Ratsprotokolle und berichtete von den Tücken alter Handschriften und gab einen ersten Überblick über die Inhalte der Protokolle. Aileen Meyer und Daniel Kreutz gaben zum Schluss einen ersten Überblick über die Quellenlage zu Kurkliniken und zur Flüchtlingsunterbringung in der direkten Nachkriegszeit in Bad Pyrmont.


Besonders fruchtbar war der Austausch mit den Gästen, die extra zu dem Seminar gekommen waren. Zu den lokalen Experten gehörten Jan Timmer (Kreisarchivar des Landkreises Hameln-Pyrmont), Dr. Dieter Alfter (Stadtarchivar der Stadt Bad Pyrmont), Jörg Schade und Carl-Herbert Braun (Pyrmonter Theater Companie), Adelheid Ebbinghaus (Heimatbund Bad Pyrmont) sowie Vertreter der lokalen Quäkergemeinde. Besonders gefreut haben sich die Organisatoren über die Teilnahme von PD Dr. Lu Seegers, Leiterin der Schaumburger Landschaft und Herausgeberin der Publikation „Kurorte in der Region - Gesellschaftliche Praxis, kulturelle Repräsentationen und Gesundheitskonzepte vom 18. bis zum 21. Jahrhundert“ sowie von dem gebürtigen Bad Pyrmonter Prof. Dr. Michael Wildt, bis April 2022 Professor für Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert mit Schwerpunkt im Nationalsozialismus am Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin. So konnten viele lokale Aspekte in einen größeren Gesamtzusammenhang eingeordnet werden und die Stundeten erhielten wertvolle Hinweise für ihre weitere Recherche.

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Aktuelles & Termine

18. Juni 2026
Die Sonderausstellung „Ein Weltbad wie Pyrmont“ – Kurstadt und Nationalsozialismus wird bis zum 16. August 2026 verlängert. Der Ausstellungsteil in der 'Villa am Palmengarten' schließt bereits 28. Juni. Alle Inhalte der Außenstellen können weiterhin über das Touch Display im Festsaal des Schlosses abgerufen werden. Im Juli finden außerdem zwei weitere öffentliche Führungen durch die Sonderausstellung statt (Treffpunkt an der Museumskasse): 8. Juli, 15 Uhr 26. Juli, 11 Uhr
17. Juni 2026
20. Juni, 18 bis 22 Uhr Museumssommernacht Am 20. Juni bietet die Museumssommernacht wieder die Möglichkeit die Museen des Landkreises in besonderer Atmosphäre und mit zahlreichen außergewöhnlichen Aktionen zu erkunden. Das Museum im Schloss Bad Pyrmont bietet dieses Jahr ein abwechslungsreiches Programm für Jung und Alt: Der Tischbeinsaal wird zum Kino, in dem historische Filme aus Bad Pyrmont vorgeführt werden. „Glück im Glas“ gibt es vom Soroptimist Club Hameln/Pyrmont. In mehreren Kurzführungen erhalten die Besucher Einblicke in die Geschichte Bad Pyrmonts während des Nationalsozialismus). Von 18 bis 20 Uhr haben Kinder die Möglichkeit sich ihr eigenes kleines Schlossgespenst Friedrich zu basteln. Und das Kaffeehaus im Schloss sorgt für das leibliche Wohl. Der Eintritt ist frei. Natürlich lohnt sich an dem Abend auch noch ein Besuch den anderen Museen im Weserbergland. Das vollständige Programm finden Sie unter: www.museen-weserbergland.de  Das Programm 18 bis 20 Uhr "Schlossgespenst Friedrich" - Bastelaktion für Kinder 18 bis 22 Uhr Getränke und Leckereien im "Kaffeehaus im Schloss" "Glück im Glas" vom Soroptimist Club Hameln/Pyrmont Kino im Tischbeinsaal: Historische Filme aus Bad Pyrmont Büchertisch: Spannendes rund um Bad Pyrmont zum Mitnehmen Kurzführungen 18:15 Uhr - Die Etablierung der NS-Diktatur in Bad Pyrmont 19:00 Uhr - Die Bedeutung des Fremdenverkehrs während der NS-Zeit 19:45 Uhr - Die Lazarettstadt Bad Pyrmont 20:45 Uhr - Schule und Jugend im Nationalsozialismus 21:30 Uhr - Jüdisches Leben während des NS in Bad Pyrmont
9. Juni 2026
Wir leben in einer Zeit von multiplen Krisen die bei vielen Menschen auch aufgrund direkter oder indirekter persönlicher Betroffenheit Ängste und Stress auslösen. All diese Ängste sind ein Nährboden für Desinformation, denn häufig werden einfache Antworten auf komplizierte Fragen gegeben. Das kann verlockend sein, sodass die Radikalisierung zur Bewältigungsstrategie wird. Neben einfachen Versprechen zur Problemlösung werden klare Strukturen und Zusammenhalt in einer krisenhaften Zeit geboten. Das Museum im Schloss und die Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden laden im Rahmen der Sonderausstellung „Ein Weltbad wie Pyrmont“ – Kurstadt und Nationalsozialismus zu einer Veranstaltung ein, in der Jorinde Freßonke über die Gefahren von Desinformation in unserer heutigen Zeit aufklärt.  Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos.
2. Juni 2026
Im Juni bietet das Museum im Schloss drei öffentliche Kuratorenführungen durch die gerade neu eröffnete Sonderausstellung „Ein Weltbad wie Pyrmont“ – Kurstadt und Nationalsozialismus an. Die Ausstellung beleuchtet erstmals die bis dato nur kaum erforschte Geschichte des Nationalsozialismus in der Kurstadt. Thematisiert werden dabei die historischen Ereignisse und Prozesse Bad Pyrmonts während der nationalsozialistischen Herrschaft. Dazu gehören etwa die politische Radikalisierung, die Machtübernahme mit politischer Gleichschaltung der Gesellschaft, die Rolle der lokalen NS-Elite, der Alltag der Bad Pyrmonter Bevölkerung, die Verfolgung politischer Gegner und religiöser Minderheiten, der Ausschluss jüdischer Menschen aus der rassisch konzipierten nationalsozialistischen ‚Volksgemeinschaft‘, Krieg und Zwangsarbeit. In den Führungen erfahren Sie von den Ausstellungsmachern Informatives, Überraschendes und Bewegendes zu Bad Pyrmont in der NS-Zeit. Die öffentlichen Führungen finden am 7. und 28. Juni um 11 Uhr und am 17. Juni um 15 Uhr statt. Treffpunkt ist die Museumskasse im Schloss. Individuelle Führungen für Gruppen können jederzeit mit dem Museum vereinbart werden. Der Eintritt ins Museum beträgt 4 Euro (Kurgäste und Schwerbehinderte: 3 €; Schüler, Studenten und Arbeitslose: 2 €; Museumsvereinsmitglieder und Gäste mit PyrmontPlus Card: frei) Die Teilnahme an der Führung ist kostenlos.
20. April 2026
2. August, 10 Uhr Museum im Schloss feiert am Sieben Schlösser Erlebnistag 500 Jahre Festung Pyrmont mit einer Sonderführung Ab 1526 – vor genau 500 Jahren – ließ Graf von Spiegelberg eine künstliche Insel in einem sumpfigen Gebiet im Pyrmonter Tal aufschütten. Darauf baute er eine Festungsanlage, die die Grafschaft beschützen sollte. Einige Jahre später baute sein Sohn ein erstes Schloss. Ab 1706 entstand ein neues Schloss, in dem sich heute das Museum befindet. Erfahren Sie in der Sonderführung zum 500-jährigen Festungsjubliläum am Sieben Schlösser Erlebnistag Spannendes und Wissenswertes zu Geschichte und Aufbau der Festungsanlage und des Schlosses. Treffpunkt: Museumskasse Die Teilnahme an der Führung ist kostenlos. Der Eintritt ins Museum beträgt 4 Euro (Kurgäste und Schwerbehinderte: 3 €; Schüler, Studierende und Arbeitslose: 2 €; Museumsvereinsmitglieder und Gäste mit PyrmontPlus Card: frei)
14. April 2026
Begleitend zu unserer Sonderausstellung entstand in einem generationsübergreifenden Projekt der Pyrmonter Theater Companie das bewegende Hörspiel "Kind, das ist die Zeit!". Am 13. Dezember feierte das Hörspiel seine Premiere im Quäkerhaus und ist nun über den Audioguide des Museums und hier abrufbar. Fast ein Jahr lang haben Bad Pyrmonter jeden Alters an diesem speziellen Hörstück gearbeitet und die Geschichte und ihre Rollen selber entwickelt. SchauspielerInnen der Theater Companie standen als Sprachcoaches und Dramaturgen zur Seite. In dem Hörspiel geht es um eine Geschichte, die in der Kriegszeit in Bad Pyrmont spielt. Anhand eines alten Fotos, dass die Enkelin ihrer Oma ins Seniorenheim mitbringt, verweben sich in der Rückschau der alten Dame die berührende (und wahre) Geschichte einer jüdischen Arztfamilie und einer jungen Krankenschwester, die in einem Lazarett der Kurstadt Dienst leisten muss… Die Musik schuf der Komponist und musikalische Leiter der Pyrmonter Theater Companie, Mathias Weibrich. Bei den Tonaufnahmen waren insgesamt 33 SprecherInnen beteiligt. Im Studio standen dann Profis und Amateure gemeinsam vor den Mikrofonen. Das Ergebnis gibt es nun in einer öffentlichen Präsentation zu hören. Danach kann es u.a. über die Web Seite des Museums angehört werden. Das Projekt wurde gefördert von der Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten, der Klosterkammer Hannover, dem Landschaftsverband Hameln-Pyrmont und dem Förderverein der Pyrmonter Theatercompanie.